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Qing Wang, Juni 2026: Chinas neue Generation - Zwischen globaler Vernetzung, Widerstand und der Suche nach Sinn
In einer Welt, die von zunehmender Polarisierung geprägt ist, bietet die Perspektive der jungen, gut bebildeten Stadtbevölkerung in China einen entscheidenden Einblick in die komplexen gesellschaftlichen Umbrüche des Landes. Eine Diskussion am 9. Juni 2026, geführt mit der Journalistin und Podcasterin Qing, beleuchtet die Motivationen, Werte und Herausforderungen dieser Generation. Ihr chinesischsprachiger Podcast, der 2019 unter dem Namen „Weirdo“ startete, hat sich zu einer wichtigen Stimme entwickelt, die eine Brücke zwischen dem Leben in China und der globalen chinesischen Diaspora schlägt. Er fungiert als Fenster in eine Gesellschaft, deren Jugend nach neuen Wegen jenseits traditioneller Erwartungen und westlicher Vorbilder sucht.
Ein tiefgreifender Wandel zeigt sich im Verhältnis der jungen Chinesen zu Geld und Arbeit. Während ihre Eltern, geprägt von den Entbehrungen der Vergangenheit, Geld primär als Sicherheitsnetz sahen, betrachtet die heutige urbane Jugend es als Schlüssel zur Freiheit. Es ist das Mittel, um dem unerbittlichen Leistungsdruck und der als sinnlos empfundenen gesellschaftlichen Stagnation, der „Involution“, zu entkommen. Dieser Wunsch manifestiert sich im passiven Rückzug des „Lying Flat“ (flach liegen) oder im aktiven Streben nach einem frühen Ruhestand. Die Arbeit verliert ihre identitätsstiftende Funktion; sie wird nicht mehr als Lebensinhalt, sondern oft als reine Einkommensquelle oder gar als Ausbeutung wahrgenommen. Der Glaube an den Aufstiegsmythos, wie ihn einst Jack Ma verkörperte, ist verblasst. Stattdessen sucht die Jugend Sinn in Hobbies, Gemeinschaften und persönlichen Interessen.
Während Ereignisse wie die Proteste mit den "white papers" seltene und sichtbare Formen öffentlichen Ausdrucks offenbarten, vollzieht sich der von Qing beschriebene Generationenwandel meist auf leisere und privatere Weise. Viele junge Menschen suchen nach neuen Lebensentwürfen, ziehen sich bewusst aus bestimmten Erwartungen zurück oder treffen Entscheidungen, die ihnen mehr persönliche Freiheit und Selbstbestimmung ermöglichen. Diese Entwicklungen sollten nicht ausschliesslich als politischer Widerstand verstanden werden. Vielmehr können sie als langfristige Strategien der Selbstfürsorge, der Wahrung von Autonomie und der Verringerung persönlicher Risiken interpretiert werden.
Qings Podcast schafft Raum für differenzierte Gespräche über sensible gesellschaftliche Themen. Dabei stehen weniger politische Konfrontation als vielmehr persönliche Geschichten, individuelle Erfahrungen und gelebte Lebensrealitäten im Mittelpunkt. Das Motto „das Persönliche ist politisch“ wird zur Leitlinie, um durch das Teilen individueller Geschichten gesellschaftliche Veränderungen anzustossen. Diese Arbeit richtet sich an eine gebildete, liberal gesinnte Zielgruppe, die nach einer tiefen Desillusionierung gegenüber westlichen Demokratiemodellen nach einem eigenen, chinesischen Weg für eine gute Gesellschaft sucht.
Ein überraschendes Feld, auf dem sich verschiedene gesellschaftliche Strömungen treffen, ist der Umweltschutz. Progressive Kräfte sehen ihn als Teil ihrer Agenda, während konservative Kreise ihn als Instrument für nationales Prestige nutzen, da China sich zum führenden Akteur bei grünen Technologien entwickelt hat. Hinzu kommt eine große pragmatische Mehrheit, die umweltfreundliche Technologien wie Elektroautos nicht aus Ideologie, sondern aus praktischen Erwägungen annimmt. Diese Konvergenz, gestützt durch die offizielle Politik der Kommunistischen Partei, hat dem Umweltschutz eine neue Dynamik verliehen.
Letztlich ist Qings Arbeit mehr als nur ein Podcast; es ist ein Versuch, Empathie in einer polarisierten Welt zu fördern und ein differenziertes Bild des modernen Chinas zu zeichnen. Ihre Bemühungen spiegeln die Suche einer ganzen Generation wider: einer Generation, die trotz aller Widersprüche und Herausforderungen aktiv und anpassungsfähig ihre Zukunft und die der Welt mitgestalten will.
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